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Wie man zur Legende wird

SALZBURGER STRASSENTHEATER / ROBIN HOOD

12/07/24 „Eine skurrile Komödie“ steht über Olaf Bretschneiders Stück Robin Hood, dem Regisseur Georg Clementi fürs Salzburger Straßentheater noch die eine oder andere witzige Idee zusätzlich aufgesetzt hat. Eine amüsante Klamaukstunde jedenfalls über den englischen – ja was eigentlich?

Von Reinhard Kriechbaum

Der verwegene Gerechtigkeitskämpfer, der den Reichen genommen und den Armen gegeben hat und somit eine frühe Leitfigur des sozialen Ausgleichs war? So einen könnte man gut brauchen heutzutage, da die neoliberale Weltwirtschaft genau das Gegenteil bewirkt. Aber leider, leider: Ein Robin Hood der Jetztzeit ist unmittelbar nicht in Sicht, und es hat ihn wahrscheinlich auch nie gegeben. Robin Hood – das ist eine Figur, auf die über die Jahrhunderte viele Sagen und Geschichten projiziert wurden. „Robin Hood war im 13. Jahrhundert ein in England gebräuchlicher Spitz- oder Beiname, der als Synonym für 'Gesetzesbrecher' benutzt wurde.“ So nüchtern klingt das in Wikipedia.

Da ist uns der Robin Hood in der diesjährigen Produktion des Salzburger Straßentheaters schon viel sympathischer. Schwert, Pfeil und Bogen hat er, der eigentlich Robin von Loxley heißt und diesen Namen recht arrogant vor sich her trägt, eingebüßt. Seine Ländereien auch. Und ginge es nach dem Sheriff von Nottingham, dann wäre er womöglich seine Braut Maid Marian auch demnächst los.

Aber wir sind in einer Komödie, also darf Robin Hood nicht nur gelegentlich einen Handstand machen. Die Geschichte geht auch gut aus, obwohl der wackere Robin kurzzeitig in einem überdimensionalen Schmetterlingsnetz gefangen sitzt.

Eine Gauklertruppe ist versammelt, einer liest Karten, das Publikum ist eingeladen, mit schweren Lederbeuteln ins Loch einer Zielscheibe zu treffen. Dafür gäbe es Konzertkarten der Kulturvereinigung. Bei der Premiere am Donnerstag (11.7.) auf der Stioegl-Festwiese war die Trefferquote nicht so hoch.

Nach einer Klamauk-Viertelstunde geht’s dann doch los. Der Sheriff von Nottingham (Thomas Pfertner) versucht seine Liebesschwüre mit Hilfe einer Dame aus dem Publikum einzuüben, dieweil der tolpatschige Guy of Gisbourn (Janna Ramos-Violante) glücklos hinter Robin von Loxley (Paul Clementi) und seinem Freund Little John (Marko Kerezovic) her ist. Maid Marian (Tanja Radovanovic) kriegt einen Lachanfall, als sie mitbekommt, dass des Sheriffs Augen auf sie gefallen sind.

Sie alle landen im Sherwood Forest und bekommen es mit einem Charismatiker der besonderen Art zu tun: mit Bruder Tuck in der in sich ruhenden Gestalt von Alex Linse. Er steckt in einer Ordenskutte, die ob der orangen Farbe auch an einen buddhistischen Mönch denken lässt. Seine Sache ist das Fischefangen im Trockenen, ohne Angel und Köder. Dieser Philosoph denkt intensiv darüber nach, was Illusion und was Wirklichkeit ist. Und seine Idee ist es, Robin von Loxley zur Legende zu machen und damit Teil einer solchen zu werden. Mit dem Künstlernamen Hood will Robin sich zuerst nicht so recht anfreunden.

Man wird gewiss nicht intellektuell überfordert von dieser Produktion, die dafür mit Tempo und Slapstick für sich einnimmt. Wenn die Crew vom OffTheater (mit Verstärkung) am Werk ist, kann man sich auf wirkungssichere Komödie verlassen. So soll es sein. Die schlichte Geschichte wird mit Musiknummern aufgelockert, bei denen das Publikum gerne mitklatscht. Für den Sound sorgen der „Fiddler“ Tomáš Novák und die „Zeremonienmeisterin“ Patricia Pfisterer auf allerlei Geräuschinstrumenten. Unbeschwerte Unterhaltung.

44 Aufführungen bis 5. August in Stadt und Land Salzburg – www.kulturvereinigung.com
Bilder: dpk-krie

 

 

 

 

 

 

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