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Bügeleisen-Madonna

KELTENMUSEUM / VALIE EXPORT. herstory!

17/07/24 Der gebärenden Maria im Linzer Dom ist es jüngst gar nicht gut ergangen. Viel frecher und leichtgängiger als die doch recht grobe aktuelle Schnitzerei sind die – angesichts ihres „Alters“ – viel radikaleren „Nachstellungen“ von Valie Export. Freilich es ein Unterschied, ob man eine Madonna in Gebärstellung zeigt oder bloß eine, die statt eines Kirschenzweiges ein Bügeleisen in der Hand hat.

Von Heidemarie Klabacher

Mitte der 1970er hat Valie Export berühmte Gemälden der Kunstgeschchte „nach gestellt“. Bei diesen „Nachstellungen“ wurde etwa aus der Kirschenmadonna Tizians die „Putzmadonna“. Da wurde aus der Pietà Madonna della Febre von Michelangelo die „Geburtenmadonna“ – und dieses Foto aus 1976 hätte damals durchaus einen zumindest kleineren Skandal auslösen können: Dem Modell, einer jungen Frau mit madonnenhaft gescheiteltem Haar als „Pieta“, wurde der Leichnam des vom Kreue genommenen Christus aus den erhobenen Armen genommen. Diese ragen also leer zu beiden Seiten. Dafür sitzt sie mit leicht geöffenten Beinen auf einer Waschmaschiene, aus der rote Wäsche quillt...

Mit der Ausstellung VALIE EXPORT. herstory! setzt das Keltenmuseum Hallein seine Reihe der Festspielausstellungen bildender Künstlerinnen und Künstler mit dem Titel Salzburg Museum – Gastspiel fort. Heuer also hat Valie Export auf Einladung des Salzburg Museums im barocken Fürstenzimmer des Keltenmuseums unter dem Titel Valie Export. Herstory! eine Schau mit eigenen Werken gestaltet. Diese Ausstellung in Hallein bezieht inhaltlich sich auf die historische die Schau „MAGNA. Feminismus: Kunst und Kreativität“ in der Galerie nächst St. Stephan in Wien anno 1975.

Damals hat die Künstlerin Carolee Schneemann im Katalog, die „rein männliche Autorenschaft früher künstlerischer Leistungen“ kritisiert. Schneemanns entwarf damals ein „Szenario der Frau im Jahr 2000, in der das Patriarchat überwunden und die Gleichberechtigung hergestellt ist“. Von wegen: „Fast 50 Jahre nach der Ausstellung muss feststellt werden, dass es zur endgültigen Gleichstellung der Frau noch ein langer Weg ist.“

„Die ausgewählten Bilder vermitteln bald fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung Valie Exports damalige Aneignung von kunstgeschichtlichen Meisterwerken. Die Künstlerin hat mittels Nachstellungen, Überblendungen und Collagen feministische Gegenentwürfe zu patriarchalen, männlich dominierten Programmen und Inhalten der europäischen Kunstgeschichte entwickelt“, so Martin Hochleitner, der Direktor des Salzburg Museums, zu dem das Keltenmuseum gehört.

In ihren „Nachstellungen“ ließ Valie Export anno 1976 ein Modell weibliche Posen aus klassischen Gemälden einnehmen. „Nachgestellt“ wurde etwa das Altar-Dyptiochen Der Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies des niederländischen Malers Michiel Coxcie: Wie immer ist es Eva, die der Versuchung erliegt und nach dem verbotenen Apfel greift. Valie Export gibt ihrem Modell statt des Apfels einen Krug in die Hand.

„Veronese, 1528 bis 1588, stellt in seinem Gemälde Erweckung des Jünglings zu Nain nicht den vom Tod erweckten Knaben, sondern die dankende Mutter ins Zentrum der Komposition“, so die Kuratorin Katja Mittendorfer-Oppolzer. Valie Export inszeniere die Szene als „demütige Dankbarkeit der als Witwe ohnedies schon halb verlorenen Frau“.

„Aus dem mythologischen oder religiösen Kontext des Originals herausgelöst und als pure Haltung und Geste ausgestellt, mit Gegenständen aus dem Frauenalltag der 1970er aufgeladen, entfalten die Fotografien ihre herausfordernde bis irritierende Wirkung“, so die Kuratorin. Stets thematisiere Export die „gesellschaftliche Rolle der Frau und den patriarchalen Blick auf den weiblichen Körper“.

Valie Export. Herstory – bis 27. Oktober im Keltenmuseum – www.salzburgmuseum.at
Bilder: VALIE EXPORT / Bildrecht Wien 2024

 

 

 

 

 

 

 

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