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Seit fünfzig Jahren in der volkskulturellen Oberliga

HINTERGRUND / ADVENTSINGEN

14/10/10 „1960 war für mich das bitterste Jahr, all die Monate vorher musste ich immer wieder hören, dass dieser Rahmen das Adventsingen erschlagen würde“. - So erinnerte sich Tobi Reiser an die damals heftig diskutierte Übersiedlung ins Große Festspielhaus. Seit einem halben Jahrhundert funktioniert es aber auch dort bestens.

Von Reinhard Kriechbaum

altIn einem Pressegespräch heute, Donnerstag (14.10.), war speziell das 50-Jahre-Jubiläum des Salzburger Adventsingens im Großen Haus das Thema. Dass zu dem Anlass die Landeshauptfrau selbst antanzte, darf nicht wundern: "Rund 1,6 Millionen Menschen haben mittlerweile das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus besucht, jährlich kommen rund 36.000, um die besondere Qualität im wunderschönen Ambiente der Salzburger Altstadt zu erleben. Eine Befragung der Wirtschaftskammer hat ergeben, dass die Besucher des Adventsingens im Durchschnitt länger in Salzburg bleiben als die klassischen Städtetouristen und auch mehr Geld als diese ausgeben", so LH Gabi Burgstaller.

Die Politik-Präsenz im Pressegespräch darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Adventsingen eine nicht geförderte Veranstaltung ist. Der Rede-Beitrag der Landeshauptfrau war in diesem Sinne bloß Wort-Spende - oder ein Sich-Sonnen in Pfründen, die dem Land satte Rendite bescheren.

Weil kein Steuergeld drin steckt, sind die Veranstalter - das Salzburger Heimatwerk - üblicherweise sehr knausrig mit Informationen über die Finanzen. Ob man mit dem Adventsingen altoder mit dem Verkauf von Dirndlkleidern mehr Cash macht, ist eine Frage, die schlicht und einfach nicht beantwortet wird (und, weil es um selbst erwirtschaftetes Geld geht, auch nicht beantwortet werden muss).

Wohl aber hat Gerhard Ortner, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Salzburger Heimatwerk eG, jetzt über die Intentionen gesprochen, warum das eimatwerk das Salzburger Adventsingen durchführt. „Gegenstand des Unternehmens ist die Erhaltung, Weiterentwicklung und Förderung von Äußerungen regionaler Volks- und Alltagskultur wie zB Kunsthandwerk, Tracht, Brauch, Musik, Wohndesign und Genusskultur im Lande Salzburg und dessen angrenzenden Regionen.“ Mit dem Adventsingen erfülle das Heimatwerk diesen Kulturauftrag. Das Salzburger Heimatwerk ist seit 1984 Alleinveranstalter des Salzburger Adventsingens, vorher erfolgte dies gemeinsam mit dem Referat Salzburger Heimatpflege.

Die Wirtschaftsleistung des Salzburger Adventsingens, fürs Land ist beträchtlich. "In den fünfzig Jahren wurde das Salzburger Festspielhaus für die Dauer von zusammengerechnet über vier Jahren gemietet und es wurden von 1984 bis 2009 allein ca. 800.000 Euro an Vergnügungssteuer und  ca. 2,4 Mio. € an Umsatzsteuer geleistet."

Acht Schilling kostete eine Karte zum Salzburger Adventsingen im Kaisersaal der Residenz 1950, fünfzehn Jahre später war die Veranstaltung bereits ins Große Festspielhaus übersiedelt und die Kartenpreise waren auf 20 bis 45 Schilling je nach Kategorie gestiegen. Mit der allgemeinen Teuerung stiegen natürlich auch die Eintrittspreise weiter, 1980 waren es 70 bis 180 Schilling, 1995 100 bis 450 Schilling und heute kosten Karten zwischen 10 und 56 Euro. - Diese Zahlen nannte der fürs Finanzielle und den Kartenverkauf zuständige Stefan Sperr.

Das erforderte logischerweise eine kontinuierliche Verstärkung der Infrastruktur auch beim Kartenverkauf. Derzeit informieren sich auf der Homepage jährlich rund zwei Millionen Menschen über das Kartenangebot. Wie bei allen Kulturveranstaltern hat sich das Kundenverhalten auch in Sachen Adventsingen radikal geändert. Obwohl man schlussendlich so gut wie immer ausverkauft ist (es gibt sechzehn Aufführungen), ist man im Vorhinein längst nicht ausgebucht. "Ja, es gibt Karten", bestätigte Sperr auch in dem Pressegespräch.

Die symbolische Überquerung der Hofstallgasse im Jahr 1960 (bis dahin spielte man erst im Kaisersaal der residenz und danach in der Großen Aula) und der Einzug ins nagelneue Große Festspielhaus waren für das noch junge Salzburger Adventsingen wesentlich mehr als nur eine "Formsache": Für alle Beteiligten bedeutete der Umzug damals so etwas wie der Einzug in die "höchste Spielklasse", ein Quantensprung, was die räumlichen Dimensionen, die Möglichkeiten der Inszenierungen und nicht zuletzt auch, was die Anzahl der verfügbaren Sitzplätze anlangt.

Die Bilder auf dieser Seite zeigen das erste Adventsingen im Großen Haus, am 3. Dezember 1960. Tobi Reiser begrüßt die Gäste, Karl Heinrich Waggerl sitzt am Lesetisch rechts vorne. Die Volkskultur hat damals noch in Fraktur geschrieben - die Innenseite des Bestell-Folders (ein Wort, das man damals auch nicht verwendet hätte in diesem Zusammenhang). (dpk)

Informationen und Karten: www.salzburgeradventsingen.at
Bilder: Salzburger Adventsingen

 

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